Profiltiefe richtig messen
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Pkw-Reifen beträgt in Deutschland 1,6 mm in den Hauptrillen. Wichtig ist, an mehreren Stellen zu messen: innen, mittig und außen sowie an mehreren Positionen über den Umfang. Ein Reifen kann in der Mitte noch gut aussehen und an der Innenkante bereits die Grenze erreicht haben.
Praktisch relevant ist der Zusammenhang mit Nässe: Je geringer die Profiltiefe, desto weniger Wasser kann verdrängt werden. Bremsweg und Aquaplaninggrenze verschlechtern sich deshalb deutlich, bevor die gesetzliche Grenze erreicht ist. Bei Winter- und Ganzjahresreifen wird in der Praxis mehr Restprofil empfohlen, weil die Lamellen für den Grip auf Schnee entscheidend sind.
Das Alter steht auf der Flanke
Die DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke endet mit vier Ziffern: die ersten beiden geben die Produktionswoche an, die letzten beiden das Jahr. „2319“ bedeutet also Woche 23 des Jahres 2019.
Gummi altert auch ohne Fahrbetrieb. Die Mischung verhärtet, feine Risse können in Flanke oder Rillengrund entstehen. Ein wenig gefahrener, aber alter Reifen kann deshalb weniger Haftung bieten, als sein Profil vermuten lässt. Sichtbare Risse, poröse Stellen oder Verformungen sind unabhängig vom Profil ein Grund für eine Prüfung.
Verschleißbild lesen
Der Reifen ist in diesen Fällen der Anzeiger, nicht die Ursache. Wird nur ersetzt, ohne die Ursache zu klären, zeigt der neue Reifen nach kurzer Zeit dasselbe Bild.
- Beide Schultern stärker abgefahren: dauerhaft zu geringer Luftdruck kommt infrage.
- Mitte stärker abgefahren: dauerhaft zu hoher Luftdruck kommt infrage.
- Nur eine Kante abgefahren: Spur oder Sturz können abweichen – oft nach Bordstein- oder Schlaglochkontakt.
- Sägezahnbildung, spürbar als raue Stufen quer zur Laufrichtung: häufig an der Hinterachse, oft in Verbindung mit Achseinstellung oder Fahrwerkszustand.
- Flache Stellen an einer Position: können auf blockierte Räder oder eine Unwucht hindeuten.
Luftdruck und Kontrollsystem
Die vorgeschriebenen Werte stehen im Fahrzeug, meist in der Tankklappe oder im Türholm, und unterscheiden sich nach Reifengröße und Beladung. Gemessen wird bei kaltem Reifen, weil der Druck im Fahrbetrieb ansteigt.
Meldet das Reifendruck-Kontrollsystem wiederholt, sollte die Meldung nicht nur zurückgesetzt werden. Sinnvoll ist, den tatsächlichen Druck zu messen und den Reifen auf Fremdkörper, Beschädigungen und Ventilzustand zu prüfen. Nach jeder Druckkorrektur oder jedem Radwechsel ist bei indirekten Systemen eine Initialisierung erforderlich.
Nach dem Radwechsel
Radschrauben werden mit dem für das Fahrzeug vorgeschriebenen Drehmoment angezogen und sollten nach einer kurzen Fahrstrecke nachgezogen werden. Das ist kein Formalismus: Ein zu geringes Drehmoment kann sich lösen, ein zu hohes kann Gewinde und Bremsscheibe schädigen.
Wann Sie nicht weiterfahren sollten
Beulen, Risse oder eingefahrene Fremdkörper in der Reifenflanke sind ein Grund, die Fahrt zu beenden. Die Flanke lässt sich nicht sicher reparieren.
