Wie Bremsgeräusche entstehen
Beim Bremsen wird Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt. Dabei entstehen Schwingungen zwischen Bremsbelag, Bremsscheibe und Bremssattel. Liegen diese Schwingungen im hörbaren Bereich, nimmt man sie als Quietschen, Pfeifen oder Singen wahr. Das Geräusch selbst sagt zunächst nichts über die Bremswirkung aus – es sagt etwas über die Schwingung aus.
Deshalb ist die entscheidende Frage nicht „quietscht es?“, sondern: Wann quietscht es, wie klingt es, und hat sich sonst etwas verändert?
Geräusche, die häufig unkritisch sind
Gemeinsam ist diesen Fällen: Das Geräusch ist vorübergehend, die Bremswirkung fühlt sich unverändert an und es gibt keine weiteren Auffälligkeiten.
- Kurzes Quietschen an den ersten Ampeln nach einer feuchten Nacht: Flugrost auf der Scheibe wird abgetragen.
- Geräusche bei sehr niedriger Geschwindigkeit, etwa beim Rangieren, die nach normaler Fahrt verschwinden.
- Ein leichtes Singen nach der Fahrt durch Regen oder eine Waschanlage.
- Erstes Geräusch nach einem Belagwechsel, während sich Belag und Scheibe einlaufen.
Geräusche, die für eine Prüfung sprechen
Viele Fahrzeuge haben mechanische oder elektrische Verschleißanzeiger. Ein mechanischer Anzeiger erzeugt bewusst ein Geräusch, sobald die Belagstärke gering wird. Wird dieses Signal ignoriert, kann der Belagträger auf die Scheibe treffen – dann entstehen Folgeschäden.
- Metallisches Schleifen oder Kratzen, das mit der Radgeschwindigkeit ansteigt – auch ohne Bremsbetätigung.
- Dauerhaftes Quietschen bei jeder Bremsung, unabhängig von Wetter und Temperatur.
- Ein Geräusch, das mit einem längeren Pedalweg, einem weicheren Pedal oder spürbar schlechterer Verzögerung zusammenfällt.
- Geräusch nur auf einer Fahrzeugseite, eventuell zusammen mit Ziehen beim Bremsen.
- Warmwerden eines einzelnen Rades oder Geruch nach heißer Bremse nach normaler Fahrt.
Mögliche Zusammenhänge
Als Prüffelder kommen unter anderem in Betracht: Belagstärke und Belagmaterial, Zustand und Oberfläche der Bremsscheibe, Führungen und Kolben des Bremssattels, fehlende oder beschädigte Dämpfungs- und Federelemente, Verunreinigungen zwischen Belag und Scheibe sowie Radlager, deren Geräusch beim Bremsen anders wahrgenommen wird.
Welche dieser Möglichkeiten zutrifft, lässt sich nur durch eine Prüfung am Fahrzeug klären. Mehrere Ursachen können dasselbe Geräusch erzeugen – das ist der Grund, warum eine Ferndiagnose hier nicht seriös möglich ist.
Was Sie vorbereiten können
Hilfreich ist eine möglichst präzise Beschreibung: Tritt das Geräusch nur kalt auf, nur warm, nur bei leichter oder nur bei starker Bremsung? Bei welcher Geschwindigkeit? Auf einer Seite oder gleichmäßig? Hat sich das Pedalgefühl verändert? Genau diese Angaben strukturiert Frag Witthöft, bevor Sie in die Werkstatt kommen.
Wann Sie nicht weiterfahren sollten
Wenn die Bremswirkung spürbar nachlässt, das Pedal ungewöhnlich weit durchgeht oder eine rote Bremswarnleuchte erscheint, sollte das Fahrzeug nicht weitergefahren werden.
